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Geschichte 2



Der Frankenhorster "Marina-Hecht".

Es war so Anfang Juni 2003. Das Wasser in unserer Marina war wie immer zu dieser Zeit sehr klar, ja man konnte ohne Mühe bei Sonnenschein auf 3 Meter Tiefe die Einzelheiten auf dem Grund erkennen. Im flachen, von der Sonne schon gewärmten Wasser ließen sich große Schwärme von herrlich gefärbten Rotfedern bewundern. Auch junge Plötze, Barsche und Güstern zogen in riesigen Schwärmen nahe der Oberfläche durch unsere Marina.
Die Blesshühner sowie die Haubentaucher und Stockenten waren bereits damit beschäftigt, ihre Jungen auszuführen und zu füttern. Das Futterangebot ist ja im Ziegelsee sehr üppig.

Beim Baden beobachtete ich, wie schon die Jahre vorher, sehr große Barsche, welche sich mit Vorliebe direkt unter Booten mit dunklem Unterwasseranstrich aufhielten. Eines Tages entdeckte ich vom Steg aus einen kapitalen Hecht, welcher regungslos vor einem Wasserpestfeld in ca. 2 Meter Wassertiefe lag. Von oben schätzte ich das Tier auf gut 1 Meter Länge. Er ließ sich weder durch mich, noch durch einige Klubkameraden, die ich herbeigerufen hatte, irritieren und blieb ruhig an seinem Platz stehen.
Das Spiel setzte sich am darauf folgenden Tag fort, so dass ich beschloss, den Burschen näher kennen zu lernen. Ich schnappte mir Flossen und Brille, auf die restliche Tauchtechnik wollte ich vorerst verzichten, nahm einen Zollstock und bewegte mich vorsichtig auf den Fisch zu. Er war in der Tat riesig groß, aber durch eine Taucherbrille sieht man unter Wasser alles ca. ein Drittel größer. Ein Vergleich mit meinem Zollstock ergab eine Länge von ungefähr 125 cm. Ein gut gewachsener Hecht hat bei diesem Maß mindestens seine 15 kg Gewicht. “Mein” Hecht nahm keine sonderliche Notiz von mir, nur seine Brustflossen bewegten sich etwas schneller, als ich langsam mit einer Hand näher kam.

Es wurde für mich Zeit aufzutauchen, da meine Freitauchkondition doch etwas eingerostet ist. Also das ganze Tauchgerödel bei gut 28 Grad Lufttemperatur angezogen und mit reichlich Luft auf dem Rücken und Schweiß im Anzug wieder runter zum Hecht. Der aber hatte wohl genug von dem Theater und blieb für diesen Tag verschwunden.
Die nächsten Tage verbrachte ich damit, mal mit mal ohne Ausrüstung, meinen Hecht zu besuchen, er wurde immer zutraulicher, ja er schien mich schon zu erwarten. Wenn ich mich ihm ganz vorsichtig näherte, konnte ich seine Brustflossen berühren, hatte aber das Gefühl, dass er das nicht besonders witzig fand. Und ehrlich gesagt war mir auch ein wenig mulmig wegen der doch respektablen Zähne von Freund Esox.


Ein paar Tage später. Das Wasser wurde immer wärmer und die Sicht durch Algen immer schlechter, die Wasserpestpflanzen starben langsam ab, fand ich den gewohnten Platz leer. Enttäuscht tauchte ich weiter in tieferes Wasser und wollte ein altes Wrack in der Nähe der Marina aufsuchen. Nach ca. 30 Metern in südlicher Richtung, es war 7,5 Meter tief, sah ich einen großen Hecht...., sollte ER es wirklich sein? Er mußte mich erkannt haben, denn er drehte mir mit einer viertel Drehung seine Seite zu und wartete auf meine Hand. Eine gute halbe Stunde haben wir wohl noch da unten gespielt, als ich beschloß, dem Hecht nicht ganz seine natürliche Scheu vor Menschen zu nehmen, denn nur durch sie ist er schließlich so alt geworden.

Trotzdem werde ich hin und wieder vorsichtig nach ihm sehen. Schließlich kennt man sich doch, oder... ?

Unser Dank für die schöne Geschichte geht an R.Eckert (Hafenmeister)



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